Samstag, 16 Dez 2017
 
 
Vaterschaftsanalysen - Beschreibung des Tests

 

Auf dieser Seite möchten wir Ihnen eine ausführliche Beschreibung des Tests und damit eine Vorstellung davon geben, wie die moderne Vaterschaftsanalyse funktioniert.

Wissenschaftliche Grundlagen
Jeder Mensch besitzt 46 Chromosomen, 23 von der Mutter und 23 vom Vater. Jeweils zwei Chromosomen tragen die gleiche Erbinformation, allerdings mit kleinen Variationen. Zwei der 46 Chromosomen sind entweder X oder Y-Chromosomen. Die Kombination XX ergibt weibliche, die Kombination XY männliche Individuen.

Durch die Variationen in jedem Chromosom unterscheidet sich die DNA jedes Mensch von der jedes anderen Menschen, ausgenommen eineiige Zwillinge. Jeweils die Hälfte aller Chromosomen eines Menschen sind jedoch identisch mit einer Hälfte der Mutter bzw. des Vaters.

Dies ermöglicht es, durch Vergleich der DNA von Vater, Mutter und Kind (oder lediglich von Vater und Kind) die Vaterschaft zu bestätigen oder auszuschließen. Dabei werden bestimmte Abschnitte der DNA verwendet, die sich wiederholende Sequenzen enthalten. Die Anzahl der Wiederholungen ist dabei von Mensch zu Mensch verschieden.

Die zu untersuchenden Abschnitte werden zunächst vervielfältigt, um eine genügend große Menge zu erhalten. Dann wird ihre Länge bestimmt und damit die Anzahl der Wiederholungen. Schließlich werden die Längen aller Abschnitte von allen untersuchten Personen im Computer miteinander verglichen und berechnet, wie wahrscheinlich es ist, dass der Proband auch der biologische Vater ist.

Die Vervielfältigung der DNA
Zunächst muss die vorliegende DNA mit den zu untersuchenden Abschnitten vervielfältigt werden. Dadurch kann sie später sichtbar gemacht und die Länge dieser Abschnitte festgestellt werden.

Die Vervielfältigung findet mit Hilfe der sog. Polymerase-Kettenreaktion statt. In dieser Reaktion dupliziert ein Enzym die vorliegende DNA in mehreren Durchläufen. Nach 30 Durchläufen liegen dann theoretisch 230 oder ca. 1 Milliarde identische Kopien vor. Der Vorgang ist ähnlich dem, der in den Zellen bei der Zellteilung stattfindet und dafür sorgt, dass jede Zelle einen vollständigen Satz der Erbinformation erhält.

Die Analyse der Identitätsmerkmale
Während der Vervielfältigung der DNA-Abschnitte werden sie mit sog. Fluoreszenz-Farbstoffen farbig markiert. Diese Farbstoffe leuchten farbig, wenn sie mit UV-Licht angeregt werden.

Die farbig markierten DNA-Abschnitte werden schließlich in einer sog. Elektrophorese aufgetrennt. Dabei wandern sie in einem elektrischen Feld durch ein haarfeines Röhrchen (die sog. Kapillare), das mit einem viskosen Polymer gefüllt ist. DNA besitzt eine negative elektrische Ladung, so dass sie in einem elektrischen Feld automatisch zum positiven Pol wandert. Je länger sie ist, desto langsamer wandert sie dabei, so dass längere DNA-Abschnitte später am Ende der Kapillare ankommen als kürzere.

Am Ende der Kapillare befindet sich ein Laser, der einfarbiges Licht aussendet. Dieses regt die Farbstoffe an den DNA-Abschnitten an, ihrerseits farbiges Licht abzustrahlen. Durch die Farbe des Lichts kann jeder DNA-Abschnitt identifiziert werden. Durch die Zeit vom Beginn der Wanderung bis zu ihrem Ende, also der Lichtreaktion, kann man die Länge der DNA-Abschnitte feststellen.

Die statistische Auswertung
Anschließend werden die Längeninformationen für alle Abschnitte in einem Computer zusammengeführt. Der Computer berechnet die Übereinstimmung der Abschnitte für die untersuchten Personen und daraus wiederum die Wahrscheinlichkeit für eine mögliche Vaterschaft.

Zu diesem Zweck wird die Verteilung der verschiedenen möglichen Varianten der Identitätsmerkmale in der Bevölkerung herangezogen. Da die Verteilung für jede Variante unterschiedlich ist (d.h. es gibt Varianten, die nur in wenigen Menschen vorliegen, und solche, die in vielen Menschen vorliegen), ist die Wahrscheinlichkeit einer zufälligen Übereinstimmung zweier Menschen in jedem individuellen Fall anders.

Dennoch ist es so, dass durch die Auswahl der untersuchten Merkmale und die Einbeziehung von mindestens 16 verschiedenen Merkmalen auch im schlechtesten Falle die Wahrscheinlichkeit einer rein zufälligen Übereinstimmung zweier Personen, die nicht miteinander verwandt sind, äußerst gering ist.